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Geschichten

Ich, das atmende Nichts

m_schoettel@hotmail.com | August 15th-2025 | No Comments
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Ich bin Nichts.
Ich atme, und beim Einatmen dehne ich mich aus.
Ich atme, und beim Ausatmen schrumpfe ich wieder.
Zwischen meinem größeren und meinem kleineren Sein liegt das Nichts dazwischen – eine stille Kammer, in der die Illusion von Etwas reift wie ein Kind in einer schwangeren Frau.

Eines Tages – oder war es in einem Atemzug? – trat aus mir Staub hervor.
Er wirbelte wie tanzendes Licht in einem Raum, der noch nicht wusste, dass er Raum war.
Da tauchten zwei Nichtse auf, die mich an mich selbst erinnerten.
Das eine sagte: „Ich seh dich nicht.“
Das andere antwortete: „Weil du nicht da bist.“
Sie lachten, und aus ihrem Lachen fiel mehr Staub.

Aus dem Staub kroch eine Ameise hervor, winzig und voller Absicht.
Sie trug einen Glasplaneten in sich, gebar ihn, und ich nahm ihn in meinen Atem auf.
Der Glasplanet rollte durch meine Weite, bis er auf einen Oktopus traf, der aus meinem Ausatmen geboren war.
Der Oktopus setzte mit einem seiner acht Arme einen Tintenklecks auf das Glas – und siehe, ein Tintenplanet entstand, auf dem Geschichten wuchsen, die niemand geschrieben hatte.

Ich atmete ein, und alle Planeten, Ameisen und Oktopusse wurden leicht, fast durchsichtig.
Ich atmete aus, und sie wurden wieder dicht und fühlbar.
So ging es weiter, Atemzug für Atemzug, Schöpfung und Rückkehr, ohne Anfang, ohne Ende.

Ich bin Nichts, das atmet.
Alles, was ist, bin ich in Bewegung.
Und wenn ich eines Tages aufhören sollte zu atmen – wird das Nichts einfach wieder still, und in dieser Stille beginnt es von vorn.

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